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Eine laute Stimme für die europäische Friedensordnung – Point-Alpha-Preis für Ben Hodges

By 8. November 2026No Comments

8 Min. Lesezeit

Der Preisträger: Ben Hodges. Fotos: Johannes Schneider

Der Preisträger: Ben Hodges. Fotos: Johannes Schneider

Die Freiheit schützen, Frieden durch Stärke sichern und das transatlantische Bündnis mit Leben füllen: Wie kaum ein anderer steht Frederick Benjamin „Ben“ Hodges für diesen Auftrag. Der US-General a.D. ist im US Camp der Gedenkstätte mit dem Point Alpha-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Am einst heißesten Punkt im Kalten Krieg nahm der 68-Jährige die Ehrung nicht nur für seine Verdienste um die Deutsche Einheit und die europäische Einigung in Frieden und Freiheit entgegen, sondern auch für sein Eintreten für die deutsch-amerikanische Freundschaft mit einem besonderen Bezug zum ehemaligen „Observation Post Alpha“.

Die Auszeichnung wurde zum 16. Mal vom Kuratorium Deutsche Einheit e.V. in Verbindung mit der Point Alpha Stiftung vergeben. Über 300 Ehrengäste und Bürger wohnten der Veranstaltung auf Point Alpha zwischen Rasdorf (Hessen) und Geisa (Thüringen) bei. Der Präsident des Kuratoriums und Parlamentarische Staatssekretär, Christian Hirte MdB, und der Vorsitzende des Stiftungsrates von Point Alpha, Dr. Stefan Heck, übergaben ihm in festlichem Rahmen Stele und Urkunde.

„Ben Hodges setzt sich kompromisslos für eine europäische Friedensordnung ein“, lobte Marie-Agnes Strack-Zimmermann in ihrer Laudatio. „Und in einer Phase, in der sich das Weiße Haus unter Präsident Trump Stück für Stück von Europa nicht nur entfernt, sondern den Mörder und Aggressor Putin nicht in seine Schranken weist, und ihn stattdessen indirekt unterstützt“. Die Auszeichnung stehe aber gleichwohl für sein Eintreten klare politische und sicherheitspolitische Regeln sowie für Menschenrechte und Selbstbestimmung, ergänzte die Abgeordnete des Europäischen Parlamentes.

Seit 2005 werde der Point-Alpha-Preis verliehen. Es sei nicht erstaunlich, dass Bundeskanzler Kohl, der Präsident Gorbatschow und Präsident Bush zu den ersten Preisträgern 2005 gehörten. Wohlgemerkt gemeinsam. „Heute, 21 Jahre später, wären dies Putin, Trump und Merz. In dieser Konstellation unvorstellbar“, bemerkte Strack-Zimmermann.

Europa und Verteidigung sind in Brüssel ihr Metier: die Laudatorin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Europa und Verteidigung sind in Brüssel ihr Metier: die Laudatorin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Es ist kein Zufall, dass der ehemalige US-General der zweite US-Bürger ist, der diese Auszeichnung erhält. Hodges gilt als ein stabiler Baustein in der transatlantischen Partnerschaft und spart dabei nicht mit offenen Worten, auch gegenüber der eigenen Administration. „So muss es sein: Keine Geschichten erzählen, die Menschen mit der harten Wirklichkeit konfrontieren. Bleiben Sie laut“, rief Strack-Zimmermann dem Geehrten zu.

Launig nahm die 68-Jährige Ursachen und Folgen militärischer Strategien aber auch ausbleibende Reaktionen europäischer Regierungen in den Blick. Der Überfall von Putin auf die Ukraine sei letztlich ein Angriff auf die freie westliche Welt und deren Werte. Nicht zufällig werde Russland von China, Nordkorea und Iran unterstützt. Hodges habe diese Gefahren erkannt, gewarnt und eklatante Versäumnisse sehr früh artikuliert. In einem historischen Augenblick habe er in der Verantwortung gestanden und als überzeugter Transatlantiker Haltung bewiesen. Keinen Zweifel daran lassend, Europa Seite an Seite im Bündnis zu schützen – mutig, unmissverständlich, unbestechlich. Ein militärischer Anführer eben, die Soldaten im Blick und immer ein Vorbild. „Dummheit hatte noch nie derartige Möglichkeiten sich auszubreiten“, zitierte die Laudatorin eine Zeitungs-Schlagzeile. Die Gefahren für die Gesellschaft seien gigantisch. Daher brauche es Verbündete, brauche es Menschen vom Schlage Ben Hodes, die klar einordnen und als Vorbild fungieren.

„Welch eine Ehre für mich“, bedankte sich Ben Hodges in seiner Erwiderung und nahm den Preis im Namen der 15 Millionen amerikanischen Soldaten entgegen, die seit 1945 in Deutschland gedient haben. Aber nicht nur deswegen wirkte er aufgeräumt. Mit einem Schmunzeln begründete er das Ergebnis der US-Zwischenwahlen als weiteren Grund für seine Heiterkeit. „Ich freue mich über die Widerstandsfähigkeit unserer Verfassung. Wir US-Bürger haben gezeigt, dass wir immer noch eine lebendige Demokratie und ein funktionierender Rechtsstaat sind.“ Er hoffe, dies sei ein Signal, damit die Partner wieder Vertrauen in die Ideale und Institutionen der Vereinigten Staaten gewännen. Perspektivisch könne sich Europa aber nicht in Sicherheit wiegen und muss schnellstmöglich lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.

„Abschreckung sichert den Frieden“, zeigte Hodges den Weg auf, „der Gegner muss wissen ein Angriff würde für ihn verheerend sein.“ Genau das hätte über vier Jahrzehnte während des Kalten Krieges funktioniert und er schilderte noch einmal die brenzligen Situationen der US-Kavallerie an vorderster Front auf Point Alpha.

Christian Hirte, Präsident des Kuratoriums Deutsche Einheit e.V.

Christian Hirte, Präsident des Kuratoriums Deutsche Einheit e.V.

Deutschland sollte bei der Verteidigung der Freiheit und bei der Unterstützung der Ukraine eine Führungsrolle übernehmen und den Nachbarn im Handeln ein Vorbild sein. Und die Hilfe müsse die transatlantische Allianz so lange gewähren, bis die Ukraine wieder souverän und Russland bereit sei, ausschließlich in den eigenen Grenzen zu leben. Um dem Nachdruck zu verleihen, könne man die russische Schattenflotte an die Kette legen, die eingefrorenen Vermögenswerte der Ukraine zufließen lassen und Russen, die in demokratische Nationen reisen wollen, die Visa verweigern.

„Wenn Aggression und Repression die Freiheit bedrohen, muss man sie verteidigen, wenn man selbstbestimmt leben will“, forderte Christian Hirte. Aber Attacken mit Waffen oder Cybertechnik von außen und Repression durch Unterdrückung nach innen seien nicht entscheidend, führte der Präsident des Kuratoriums Deutsche Einheit e.V. aus. Entscheidend sei, was eine Gesellschaft ertrage, verhindere, durchsetze oder erzwinge und erinnerte in diesem Kontext an die Friedliche Revolution und den Mut der Bürger in der DDR und im Ostblock, die kommunistische Diktatur zu überwinden. Um die heutigen Bedrohungen und Herausforderungen zu meistern, sei es daher notwendig „der Zukunft zugewandt“ anzupacken und die Energie einer Protestkultur in eine Gestaltungskultur zu lenken. Politisch, ökonomisch und mit verantwortungsvollen Köpfen in einem Bündnis müssten die Grundlagen für resiliente Demokratien gelegt werden.

Der Stiftungsratsvorsitzende der Point Alpha Stiftung: Dr. Stefan Heck.

Der Stiftungsratsvorsitzende der Point Alpha Stiftung: Dr. Stefan Heck.

„Die enge Verbundenheit von Deutschland und Amerika wurde nicht nur von Politikern in Washington oder Bonn begründet. Sie wurde gelebt von jungen Soldaten, die an gefährlichen Orten wie Point Alpha ihren Dienst taten, um Generationen von Kindern ein Aufwachsen in Sicherheit und Demokratie zu ermöglichen“, verdeutlichte Dr. Stefan Heck. „Wache halten. Beobachten. Melden. Bereit sein. Tag für Tag. Bei Wind und Wetter. Die Botschaft von Point Alpha lautete: Freiheit wird nicht von großen Staatsmännern bewahrt. Sie wird von Menschen bewahrt, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen.“ Heute liege es auch an uns Deutschen, zu beweisen, dass diese Freiheit bei uns in guten Händen ist.

Der Stiftungsratsvorsitzende der Point Alpha Stiftung hatte eingangs viele Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Institutionen sowie die Partner und Veteranen der US Army, Vertreter der Bundeswehr und der Polizei begrüßt. Für die musikalische Umrahmung bedankte sich Heck bei der Band Barbarossa Winds unter Leitung von Staff Sergeant Molly Fisher, einem Ensemble innerhalb der U.S. Army Europe and Africa Band and Chorus.

Staatssekretär Stephan König übermittelte die Grüße des Freistaates Thüringen.

Staatssekretär Stephan König übermittelte die Grüße des Freistaates Thüringen.

Die Teilung, der Kalte Krieg und die Wiedervereinigung, die Bedeutung des Begegnungsortes Point Alpha, die Verdienste von Hodges für die Werte des Westens, aber vor allem die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wurden ebenfalls in den Beiträgen der Bundesländer Hessen und Thüringen herausgestellt. Stephan König, thüringischer Staatssekretär für Medien und Europa, hob dabei die Städtepartnerschaften, den Austausch von Schulen und Universitäten, gemeinsame

Minister Armin Schwarz repräsentierte das Land Hessen.

Forschungsprojekte und enge wirtschaftliche Verknüpfungen mit den USA hervor.
Die engen Verknüpfungen zu den USA in der 80-jährigen Landesgeschichte von Hessen beschrieb Armin Schwarz. Nach Meinung des Ministers für Kultus, Bildung und Chancen erinnere der Lernort Point Alpha an die Vergangenheit und blickt mit seinem Bildungsprogramm zugleich in die Zukunft. Und diese Zukunft befinde sich in den Klassenzimmern von heute.

Kurzbiografie des Preisträgers Ben Hodges:

Bereits 1980 war Hodges als junger Leutnant erstmals in Westdeutschland stationiert, es folgten Einsätze in Südkorea, Irak und Afghanistan und das NATO-Oberkommando in der Türkei. Hodges war von 2014 bis 2017 Oberkommandierender der US-Landstreitkräfte in Europa (USAREUR). Engagiert ist er heute als Netzwerker in der „Atlantik-Brücke“ und der Menschenrechtsorganisation Human Rights First und er berät Institutionen und Organisationen zu Fragen der Sicherheitspolitik. Seit seiner Pensionierung lebt er mit seiner Frau, der Historikerin Dr. Alexandra Schwarzkopf, in Frankfurt am Main, und ist bis heute ein viel gefragter Mann. Ob in Talkshows, Radiosendungen oder auf Fachkonferenzen: Der ehemalige Drei-Sterne-General ist Experte, wenn es um den Krieg in der Ukraine, die NATO oder die Attacken auf Iran geht. Dabei kritisiert er offen US-Präsident Trump, hält die Flagge der NATO hoch und hat einen speziellen Blick auf die deutsche Verteidigungspolitik sowie die Bundeswehr.

Der Point-Alpha-Preis:

Wie kein anderes Ereignis rückt die Verleihung den einst strategisch brisanten Ort Point Alpha im ehemaligen Fulda Gap als einzigartiges Zeugnis der Geschichte ins Scheinwerferlicht – diesmal mit einer intensiven Strahlkraft über den Atlantik hinweg. Der Preis würdigt die Verdienste in der Vergangenheit und möchte zugleich in die Zukunft weisen. Er will insbesondere jungen Menschen Vorbilder geben, ihnen Hoffnung machen und Mut verleihen. Er soll sie ermuntern, wachsam zu sein, sich aktiv einzumischen und die Demokratie mitzugestalten, damit Einheit und Frieden dauerhaft erhalten bleiben – in Deutschland, Europa und der ganzen Welt.