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Die „Glasarche 3“ geht auf Point Alpha vor Anker

Von 19. Oktober 2021Keine Kommentare
Lesezeit: 4 Minuten

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön eröffneten die Point Alpha Stiftung und die Verwaltungen des Biosphärenreservats Rhön in Anwesenheit des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow die Kunstinstallation „Glasarche 3“. Eine fünf Meter lange, hölzerne Hand ergreift die Glasarche – oder lässt sie entgleiten, je nach Perspektive und Lesart. Das Kunstwerk zeigt, wie der Mensch sowohl in positiver wie auch negativer Weise auf die Natur einwirken kann.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow begutachtet die Glasarche.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow begutachtet die Glasarche.

Diese doppelte Sinngebung unterstrich der Geschäftsführende Vorstand der Point Alpha Stiftung, Sebastian Leitsch, in seiner Eröffnungsrede. Leitsch betonte, wie wichtig es sei, sich mit den verschiedenen Zugangsmöglichkeiten auseinanderzusetzen und verdeutlichte, wie besonders der neue Ankerplatz der Glasarche am ehemaligen Todesstreifen sei. Dort, wo sich jahrzehntelang die politische Unfreiheit in Form von Sperranlagen manifestiert hatte und auch die Natur zurückgedrängt worden war, sei die Glasarche ein starkes Symbol der freien Gesellschaft. Gleichzeitig (er)mahne das Kunstwerk die Menschen, die Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre nicht als Selbstverständlichkeit zu erachten. Die Demokratie biete den Menschen die Möglichkeit, sich „einzusetzen und etwas zum Besseren verändern zu können“. Dies umschließe sowohl die Politik, als auch den Umweltschutz. Freiheit bedeute also auch Verantwortung zu übernehmen, insbesondere in Zeiten zunehmender politischen Polarisierung, so Leitsch weiter.

30 Jahre besteht das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön: In ihrer gemeinsamen Ansprache zum Jubiläum verwiesen die Leiter der drei Biosphärenver-waltungen (von links) Torsten Raab (Hessen), Ulrike Schade (Thüringen) und Michael Geier (Bayern) auf die integrative Kraft des Projekts.

30 Jahre besteht das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön: In ihrer gemeinsamen Ansprache zum Jubiläum verwiesen die Leiter der drei Biosphärenver-waltungen (von links) Torsten Raab (Hessen), Ulrike Schade (Thüringen) und Michael Geier (Bayern) auf die integrative Kraft des Projekts.

Ministerpräsident Bodo Ramelow wies in seiner Ansprache darauf hin, dass das Biosphärenreservat Rhön zu den ersten länderübergreifenden Projekten des wiedervereinigten Deutschlands gehörte. Nicht erst heute gelte dieses als Erfolgsgeschichte und Ramelow führte aus, dass es ihn freudig stimme, in der vereinten Rhön diesem Festakt beiwohnen zu dürfen. Die im doppelten Sinne widernatürliche Trennung sei hier besonders spürbar gewesen. Deshalb war es auch so wichtig, dass aus dem sprichwörtlichen Gras, das über Dinge wächst, auf Point Alpha kein wahrhaftiges Gras wurde, sondern der schmerzlichen Geschichte der Teilung erinnert wird. Hier kämen sowohl Point Alpha als auch das Grüne Band als Erinnerungsräume ins Spiel. Ihr Auftrag, fuhr Ramelow fort, bliebe auch in Zukunft von großer Bedeutung. Daraus ergebe sich eine entsprechend „große Verantwortung, die Botschaft der Glasarche ernst zu nehmen“.

Als Vertreterin für die beteiligten Kommunen erinnerte Mechthild Klee, Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda, an die Herausforderungen zu Beginn des Biosphären-Projekts. Es war damals und sei heute keine Selbstverständlichkeit, dass 30 Jahre später ein solches Jubiläum gefeiert würde. Widerstände mussten überwunden und Allianzen geschmiedet werden. Stellvertretend für alle beteiligten Landkreise brachte Klee die große Freude darüber zum Ausdruck, diesen Festakt zusammen begehen zu können.

Die Fuldaer Kreisbeigeordnete Mechthild Klee übermittelte die Grüße der beteiligten Landkreise und Kommunen.

Die Fuldaer Kreisbeigeordnete Mechthild Klee übermittelte die Grüße der beteiligten Landkreise und Kommunen.

In ihrer gemeinsamen Ansprache zum Jubiläum verwiesen die Leiter der drei Biosphärenverwaltungen Ulrike Schade (Thüringen), Torsten Raab (Hessen) und Michael Geier (Bayern) auf die integrative Kraft des Projekts. Sie zitierten den ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer, der die drei Einzelanträge der Bundesländer bei der UNESCO als „Tafelsilber der Wiedervereinigung“ bezeichnet hatte und deshalb den Anstoß gab, sie zu einem gemeinsamen Antrag zu bündeln. Geier hob die besondere Rolle thüringischer und hessischer Umweltschützer hervor, die mit ihrem Weitblick dafür sorgten, dass der Schutz der Natur durch das Biosphärenreservat in den turbulenten Wendewassern nicht unterging. Heute arbeiten die drei Bundesländer gemeinsam daran, dem Boot „Biosphärenreservat“ die richtige Richtung zu geben. Schade, Raab und Geier verdeutlichten, dass das Projekt nur fortbestehen könne, wenn Umwelt und Menschen gleichermaßen adressiert würden. Dies schließe explizit die Menschen mit ein, die sich nicht ohnehin schon um die Umwelt sorgten. Die Glasarche müsse also nicht im biblischen Sinne nur Platz für zwei von jeder Art bieten, sondern, um die Rhön auch weiterhin liebens- und lebenswert zu gestalten, gelte es Natur und Mensch gleichermaßen mit ins Boot zu holen. Nicht zuletzt in Anbetracht der 2023 anstehenden Neu-Evaluierung durch die UNESCO und vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinne das Motto „Mensch – Natur – Einklang“ eine noch viel größere Bedeutung, so Schade. Dieser Herausforderung könne allein durch die gemeinsame Anstrengung begegnet werden – die Voraussetzungen dafür leiste die Biosphärenverwaltung mit den Kommunen, Projektpartnern und der Politik seit nunmehr 30 Jahren.

Sebastian Leitsch, Geschäftsführender Vorstand der Point Alpha Stiftung, begrüßte die Gäste im Haus auf der Grenze.

Sebastian Leitsch, Geschäftsführender Vorstand der Point Alpha Stiftung, begrüßte die Gäste im Haus auf der Grenze.

Im Anschluss an die Reden, die musikalisch durch das Trio „Sax & more“ umrahmt wurden, gingen die Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung auf dem einstigen Kolonnenweg entlang der ehemaligen Innerdeutschen Grenze zum Standort der Kunstinstallation. Dieser befindet sich im Außenbereich der Gedenkstätte, auf halbem Wege zwischen Haus auf der Grenze und US Camp. Neben dem imposanten Kunstwerk erläuterte Rainer Helms, Ideengeber und Projektverantwortlicher der Glasarche 3, die Entstehungsgeschichte des Gemeinschaftskunstwerks von Ronald Fischer, Stefan Stangl, Jo Joachimsthaler, Alexander Wallner, Sergei Dyschlevyy und Christian Schmidt.

Die kunstvolle Handskulptur mit der Glasarche steht bis Ende Januar 2022 im frei zugänglichen Außenbereich der Gedenkstätte Point Alpha. Besucher können die Installation unabhängig von den Öffnungszeiten der Gedenkstätte besichtigen.

Das Saxophon-Trio "Sax & more" sorgte für die musikalische Umrahmung.

Das Saxophon-Trio “Sax & more” sorgte für die musikalische Umrahmung.

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