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Geteiltes Deutschland: Zeitzeugenberichte von der Grenze zwischen Hessen und Thüringen

By 4 October 2024No Comments
Lesezeit: 2 Minuten

„Ich habe damals nicht gewusst, was das heißt, es muss Zeitzeugen geben.“ Das sagt Ursel Lange, geboren 1941, aus Asbach in Thüringen, im Interview zur Zwangsaussiedlung ihrer Oma und ihrer Tante aus dem Dorf im Jahr 1952. Die Behörden hatten das Mädchen vom Ort des Geschehens wegschicken wollen, doch die Tante hatte darauf bestanden, dass sie blieb, denn „es müsse Zeitzeugen geben“.

Heute ist Ursel Lange eine von zwölf Zeitzeugen, mit deren Videointerviews das Zeitzeugenmemorial der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) – www.zeitzeugenmemorial.de – unter dem Motto „Erinnern – Bewahren – Verstehen“ am 3. Oktober 2024 online geht. Umgesetzt hat die HLZ das Projekt gemeinsam mit den Kooperationspartnern Gedenkstätte Point Alpha und Grenzmuseum Schifflersgrund.

Ziel des Projektes sind die Bewahrung und die Vermittlung persönlicher Erinnerungen an die deutsche Teilung und den Kalten Krieg an der hessisch-thüringischen Grenze. Auf der Website berichten die Menschen über ihre Erfahrungen mit der Flucht in den Westen, der Zwangsaussiedlung aus dem Sperrgebiet an der Grenze ins Landesinnere der DDR, dem Leben an der Grenze als Zivilpersonen und im Grenzdienst sowie den alltäglichen Auswirkungen des Ost-West-Konflikts auf dieses Leben.

Die Interviews wurden von methodisch geschulten interdisziplinären Teams aus Geschichts- und Kulturwissenschaft sowie Soziologie durchgeführt. Diese wählten die Zeitzeugen sorgfältig nach wissenschaftlichen Kriterien aus und prüften deren Berichte. Die Website enthält Hintergrundinformationen zu diesem Prozess.

Kostenfreies Unterrichtsmaterial für Schulen

Das Zeitzeugenmemorial richtet sich neben der interessierten Öffentlichkeit und der Wissenschaft vor allem auch an Lehrkräfte und Schüler. Für beide Gruppen steht auf der Website spezifisch aufbereitetes Unterrichtsmaterial kostenfrei zur Verfügung. Darüber hinaus erhalten Lehrkräfte einen praktischen Leitfaden für den Einsatz solcher Videos und für Live-Gespräche mit Zeitzeugen im Unterricht. Abgerundet wird das Informationsangebot durch ein Lexikon mit wichtigen Begriffen zur Geschichte der DDR und der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Zeitzeugen gesucht

Die Kooperationspartner entwickeln das Projekt stetig weiter und sind immer auf der Suche nach weiteren Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Menschen, die sich vom Zeitzeugenmemorial angesprochen fühlen und ihre Erinnerungen und Erfahrungen teilen möchten, können sich über das Kontaktformular auf der Website melden oder unter: zeitzeugenmemorial@hlz.hessen.de beziehungsweise Telefon: 0611 32 55 40 51.