
Prof. Bernd Greiner.
Vor 50 Jahren endete einer der blutigsten und der wohl bekannteste Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges. Die Point Alpha Akademie ging einem spannenden Seminar der Frage nach, welchen Einfluss der Krieg auf die amerikanische Gesellschaft und den Verlauf des Kalten Krieges hatte.
Kein Krieg aus dem Kalten Krieg ist so präsent wie der Vietnamkrieg, der Begriff allein lässt Bilder entstehen, die untrennbar mit Hollywood-Filmen, Musikstücken sowie erschreckenden und zugleich ikonischen Fotografien verbunden sind. Doch war der Vietnamkrieg eine Zäsur, ein Einschnitt in der globalen Auseinandersetzung der USA und der Sowjetunion, der die Gestalt der Blockkonfrontation nachhaltig veränderte?

Dr. Andreas Etges.
Prof. Bernd Greiner betrachtete zunächst den Verlauf den Krieges und verdeutlichte insbesondere seine globale Dimension. Im Sinne der Domino-Theorie war der amerikanische Eingriff in den Konflikt geprägt von der Angst, dass eine Vereinigung Vietnams unter kommunistischer Herrschaft den Wechsel anderer asiatischer Staaten in das gegnerische Lager bedeuten würde. Länge und Intensität des Konflikts waren von dieser Angst getrieben zu der sich noch die Furcht vor einem Gesichtsverlust der amerikanischen Politik auf der internationalen Ebene gesellte. Eine Zäsur stellte der Vietnamkrieg insbesondere durch seine Öffentlichkeit dar: Kamerateams und Fotografen dokumentierten das Sterben und Töten in Vietnam in einer ungekannten Härte. Die erschreckenden Bilder mobilisierten die Gesellschaften beiderseits des Eisernen Vorhangs doch insbesondere im Westen war das Bild der amerikanischen Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit als moralisch integer und gerecht wahrgenommen wurden, durch die Napalmabwürfe und den Einsatz von Agent Orange nachhaltig beschädigt. Zudem wurde der amerikanischen Politik und den Militärs ihre eigenen Grenzen aufgezeigt, den auch aus diesem Krieg gingen die USA erstmals deutlich als Verlierer hervor.

Jan Ludwig Antoni.

Daniela Theurer.
Verändert hatte sich auch der erinnerungspolitische Umgang mit dem Krieg, wie Dr. Andreas Etges von der Ludwig-Maximilians-Universität München darstellte. Waren amerikanische Solddaten in den oft pathetischen Filmen über den Zweiten Weltkrieg noch die Helden im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland, änderte sich der Blick unter einer Riege neuer Hollywood-Regisseure. In Apocalypse Now (1979) oder Platoon (1986) wurde das Trauma des verlorenen Krieges aufgegriffen und ein düsteres Bild von den Kämpfen in Vietnam gezeichnet. Auch das Bild der Soldaten hatte sich gewandelt, sie mussten nun mit persönlichem Trauma und Gewalterfahrungen zurechtkommen und sich mit dem sinnlosen Sterben in einem sinnlosen Krieg auseinandersetzen. Hinzu kam die oft mit Scham behaftete öffentliche Erinnerung. Wie sollte an die Veteranen des Vietnamkrieges erinnert werden und wie an seine Opfer. Exemplarisch lässt sich dieser Zwiespalt an den Diskussionen rund um das Vietnam Veterans Memorial in Washington verfolgen.
Die Leitung des Seminars lag in den Händen der wissenschaftlichen Mitarbeiter von Point Alpha, Jan Ludwig Antoni und Daniela Theurer.






