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Den dunkelsten und hellsten Momenten deutscher Geschichte ins Auge blicken

By 12. November 2024No Comments
Lesezeit: 3 Minuten
Kreativprojekt der Klasse 5/2: Das Grüne Band, dargestellt aus der Sicht von Pflanzen und Tieren.

Kreativprojekt der Klasse 5/2: Das Grüne Band, dargestellt aus der Sicht von Pflanzen und Tieren.

Mit einem kreativen Programm haben die Schülerinnen und Schüler des Dr.-Sulzberger-Gymnasiums in Bad Salzungen gemeinsam mit der Stadt und der Point Alpha Stiftung an den 9. November 1989 und damit die Grenzöffnung in der DDR erinnert. Die Jahrgangsstufen 5, 9, 10 und 12 hatten vielfältige Darbietungen in der Aula für die zahlreichen Gäste vorbereitet und zeigten, wie unterschiedlich man sich der deutschen Zeitgeschichte nähern kann – es geht eben nicht bloß ums Auswendiglernen von Jahreszahlen. Musikalische Untermalung fanden die Gedichtvorträge, eine Lesung, die charmante Präsentation des Grünen Bandes aus Perspektive der Flora und Fauna sowie die Vorstellung eines Fotoprojekts auf Point Alpha, durch den Schulchor „Sulzberger Voices“. Unter Leitung von Kati Wichler intonierten die Gesangstalente Lieder, die den Wunsch der Menschen nach Freiheit widerspiegelten (u.a. „Als ich fortging“ und „Wind of Change“).

Schulleiterin Liane Ritzmann begrüßte die Gäste in der Aula des Dr.-Sulzberger-Gymnasiums.

Schulleiterin Liane Ritzmann begrüßte die Gäste in der Aula des Dr.-Sulzberger-Gymnasiums.

Schulleiterin Liane Ritzmann zeigte sich in ihrer Begrüßung überzeugt, dass die Geschichte des geteilten und schließlich wiedervereinigten Deutschlands auch in der Generation der Schülerinnen und Schüler weiterhin Interesse weckt. Die eingehende Beschäftigung im Unterricht und darüber hinaus, zum Beispiel in Kooperation mit der Gedenkstätte Point Alpha, sei ein Beleg dafür, so die Pädagogin. Für die Stadt Bad Salzungen sprach der hauptamtliche Beigeordnete Hannes Knott das Grußwort. Er verwies darauf, dass wir stolz sein können, heute in einem geeinten, freien Land zu leben – um dies wertzuschätzen, müsse man nicht selbst ein repressives System erlebt haben. Wir müssen allerdings die Erinnerung bewahren, um künftigen Generationen das große Glück der Wiedervereinigung begreifbar zu machen.

Im Namen der Stadt Bad Salzungen sprach der hauptamtliche Beigeordnete Hannes Knott das Grußwort. Fotos: Johannes Schneider

Im Namen der Stadt Bad Salzungen sprach der hauptamtliche Beigeordnete Hannes Knott das Grußwort. Fotos: Johannes Schneider

Als Festredner wies der Vorstand der Point Alpha Stiftung und Sulzberger-Alumnus Philipp Metzler auf die widersprüchlichen Gefühle hin, die das Datum bei Deutschen auslöst, denn es bedeute „den dunkelsten und hellsten Momenten unserer eigenen Geschichte ins Auge zu blicken“. Damit rekurrierte der gebürtige Salzunger einerseits auf die Pogrome gegen jüdische Mitmenschen im Dritten Reich, die eine neue Phase der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten einläuteten. Andererseits unterstrich er die unschätzbare Leistung der Menschen in der DDR, die sich mutig für ein Ende der SED-Diktatur einsetzten und an jenem schicksalhaften Tag endlich die langersehnte Freiheit erlangten. Metzler machte Mut, den aktuellen politischen Streit vielmehr als Stärke, denn Mangel der Demokratie zu sehen – dass um den richtigen Weg gestritten werden könne, „macht sie so viel wertvoller als jedes autokratische System“. Zuletzt und in Hinblick auf den Ukraine-Krieg betonte er, dass Frieden immer mit Freiheit verknüpft ist; das eine sei ohne das andere nicht zu haben. Aus der Geschichte Deutschlands leite sich der Auftrag ab, Unterstützung zu leisten, wo und wann immer demokratische Freiheiten und damit der Frieden bedroht sind.

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung gab es die Möglichkeit, an „Runden Tischen“ in ungezwungener Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen. Von dieser Gelegenheit machten die Gäste reichlich Gebrauch. Dabei wurde endgültig klar, wie engagiert sich die Schülerinnen und Schüler dem Thema im schulischen Alltag und auch im außerschulischen Umfeld widmen. Die Point Alpha Stiftung bedankt sich bei den Kooperationspartner und allen Lehrkräften sowie den Schülerinnen und Schülern für das gelungene Schülerprojekt.