Deutscher Text
Die Alouette II war ein leichter Mehrzweckhubschrauber französischer Herkunft. Ihr Erstflug fand 1955 statt. Als einer der ersten serienmäßig gefertigten Hubschrauber mit Gasturbinenantrieb verband sie eine einfache Konstruktion mit guten Flugeigenschaften. Besonders auffällig waren die vollständig verglaste Kanzel, das offen liegende Triebwerk und der unverkleidete Heckausleger aus Stahlrohren. Der Bundesgrenzschutz erhielt die ersten Alouette II im Februar 1962. Zwei Jahre später begann mit vier Maschinen im nordhessischen Raum die planmäßige Überwachung der innerdeutschen Grenze aus der Luft. Damit wurde der Hubschrauber gerade in jener Region eingesetzt, in der der Bundesgrenzschutz mit Dienststellen zwischen Eschwege, Bad Hersfeld, Hünfeld und Fulda besonders präsent war. Die große, fast vollständig durchsichtige Kanzel bot dem Piloten und den mitfliegenden Beamten eine ausgezeichnete Sicht auf das Gelände. Bei niedriger Geschwindigkeit konnten sie den Grenzverlauf, Verkehrswege und schwer zugängliche Gebiete beobachten. Veränderungen an den DDR-Grenzanlagen, besondere Vorkommnisse oder Bewegungen im Grenzraum ließen sich aus der Luft schneller erkennen und dokumentieren als bei einer Streife am Boden.
Die Alouette II ergänzte damit die Arbeit der BGS-Beamten, die entlang der innerdeutschen Grenze mit Geländewagen oder zu Fuß unterwegs waren. Der Hubschrauber konnte größere Grenzabschnitte in kurzer Zeit kontrollieren, Einsatzkräfte transportieren und bei Suchaktionen unterstützen. Auch zur Führung von Einsätzen, zur Ausbildung von Piloten sowie für Verbindungs- und Transportaufgaben wurde das vielseitige Fluggerät genutzt. Die heutige Bundespolizei setzt Hubschrauber weiterhin unter anderem zur Grenzüberwachung, zum Transport von Polizeikräften sowie bei Unglücks- und Katastrophenfällen ein. Der Pilot saß vorne rechts in der Kabine. Je nach Auftrag konnten mehrere Beamte oder Passagiere mitfliegen. Die Steuerung erfolgte weitgehend ohne die elektronischen Hilfssysteme moderner Hubschrauber. Der Pilot musste deshalb ständig kleinere Bewegungen mit Steuerknüppel, Pedalen und Leistungshebel ausgleichen. Die Alouette II eignete sich dadurch zugleich gut für die Ausbildung von Hubschrauberpiloten. Das Triebwerk befand sich offen hinter der Kabine. Auch Getriebe, Leitungen und Teile der Steuerung waren von außen sichtbar. Diese ungewöhnliche Bauweise verringerte das Gewicht und erleichterte den Zugang bei Wartungsarbeiten. Gleichzeitig bot die Maschine nur wenig Platz, kaum Komfort und einen hohen Geräuschpegel. Ihre leichte Konstruktion machte sie jedoch wendig und erlaubte Starts und Landungen auf kleinen, nur provisorisch vorbereiteten Flächen.
Anders als die Hubschrauber militärischer Verbände war die Alouette II des Bundesgrenzschutzes kein Kampfhubschrauber. Sie diente vor allem der polizeilichen Beobachtung, Aufklärung und Unterstützung. Der Bundesgrenzschutz überwachte die Grenze von der westdeutschen Seite aus. Er war damit deutlich von den Grenztruppen der DDR zu unterscheiden, deren Auftrag darin bestand, Fluchten in den Westen zu verhindern. Neben der Grenzüberwachung kamen Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes auch bei Naturkatastrophen und schweren Unglücksfällen zum Einsatz. Bereits die Sturmflut von 1962 zeigte, dass Hubschrauber Menschen aus Gebieten retten konnten, die auf dem Landweg nicht mehr erreichbar waren. Später beteiligte sich der BGS-Flugdienst unter anderem an Einsätzen bei Waldbränden, Überschwemmungen und Schneekatastrophen. Die Alouette II steht deshalb für zwei Seiten der Geschichte des Bundesgrenzschutzes: Im Kalten Krieg war sie ein fliegendes Beobachtungsmittel an der innerdeutschen Grenze. Zugleich trug sie dazu bei, den Hubschrauber als vielseitiges Einsatz- und Rettungsmittel der Polizei in der Bundesrepublik zu etablieren.

