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Freiheitswille, eine friedliche Revolution und das Zusammenwachsen einer Nation – die Wiedervereinigung jährt sich am 3. Oktober 2026 zum 36. Mal. Um die Erinnerung daran wach zu halten, fand am Freitag in der Gedenkstätte Point Alpha der traditionelle Festakt mit Kranzniederlegung zum Tag der Deutschen Einheit statt. Wolfram Weimer warnte in seiner Festrede vor einem politisch gesteuerten Geschichtsrevisionismus, der die SED-Diktatur nachträglich verkläre und verharmlose, um der Demokratie zu schaden. „Gerade in einer Zeit, in der die Verlockung des Autoritären zunimmt, müssen wir uns daran erinnern, was Diktaturen den Menschen antun“, erklärte der Staatsminister für Kultur und Medien und stellte dabei die Bedeutung von Erinnerungsorten wie Point Alpha heraus.

Der Festredner Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erhielt für seine Ausführungen viel Beifall.
„Der 3. Oktober ist der glücklichste Tag in der deutschen Nachkriegsgeschichte – und ein guter Anlass, sich die Relevanz des aktiven Gedenkens vor Augen zu führen. Was wir dafür brauchen, sind Orte wie Point Alpha, weil sie architektonische Erinnerungen an das Leid eines zerrissenen Landes sind. Weil sie auch dann noch informieren und aufklären, wenn es keine Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mehr geben wird“, führte Wolfram Weimer aus. Gedenkstätten seien das Gegengift einer Ostalgie, die das DDR-Regime fahrlässig verharmlose und die DDR nachträglich zu einer heilen Welt verkläre.
„Point Alpha schärft unser Bewusstsein für das wahre Gesicht der Diktatur: despotisch, gewalttätig, menschenverachtend. Und was das SED-Regime für all jene Bürger bedeutete, die Widerstand leisteten und offen um ihre Freiheit kämpften“, betonte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im US Camp. An Orten wie Point Alpha werde die Wertschätzung von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit neu belebt. Wenn diese Werte aus ideologischen Gründen in Frage gestellt oder wenn Misstrauen gegen die staatliche Handlungsfähigkeit gesät würde, müssten wir uns mit guten Argumenten wappnen.

Zum Auftakt des Festaktes „36 Jahre Deutsche Einheit“ begrüßte der Stiftungsratsvorsitzende Dr. Stefan Heck die Besucher im US-Camp.
„Nur ein kritisches Geschichtsbewusstsein schützt uns vor antidemokratischem Populismus und totalitären Ideologien“, so Weimer weiter. Deshalb setzte sich sein Haus für eine aufklärende Erinnerungskultur ein, die Fakten präsentiere und historische Zusammenhänge verdeutliche. „Erinnern ist kein sentimentaler Blick zurück. Erinnern bedeutet, aus der Geschichte zu lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten.“
„Der 3. Oktober darf uns daran erinnern, dass vordergründig Unerreichbares überwindbar ist“, hatte Dr. Stefan Heck, Stiftungsratsvorsitzender der Point Alpha Stiftung, zum Auftakt festgestellt, bei dem er zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Institutionen begrüßte. Dass die Grenze verschwand und die Einheit gelang, ohne dass ein Schuss fiel, sei angesichts der menschenverachtenden Dimensionen alles andere als selbstverständlich. Zu verdanken sei dies den handelnden Akteuren auf allen Ebenen, die Mut, Tatkraft sowie Weitsicht bei der Wiedervereinigung bewiesen hätten. „Einheit und Freiheit gehören zusammen“, hob Stefan Heck hervor, „das Grundgesetz gibt uns dafür ein starkes Fundament – aber mit Leben erfüllen müssen wir es jeden Tag aufs Neue.“
Auch in der Rhön und Osthessen herrschte Euphorie am 3. Oktober 1990. Als der Einigungsvertrag in Kraft trat. Die Teilung war beendet und die deutsche Einheit vollzogen. In den turbulenten Monaten zuvor hatten die Ostdeutschen sich der SED-Diktatur entledigt, an der Wahlurne das Signal für die rasche Vereinigung gesetzt, die Einführung der D-Mark erreicht. Viele bejubelten das Ende von 40 Jahren deutscher Teilung, den Abbau der tödlichen Grenze und die Friedliche Revolution in der DDR.

Beate Meißner, Ministerin für Justiz, Migration und Verbraucherschutz vertrat den Freistaat Thüringen.

Armin Schwarz, Minister für Kultus, Bildung und Chancen aus Hessen. Alle Fotos: Johannes Schneider
Weitere Gastredner bewerteten aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Aspekten die Ursachen, den Weg, die Leistungen, die Folgen und die Bedeutung der Einheit. Beate Meißner, thüringische Ministerin für Justiz, Migration und Verbraucherschutz spannte einen Bogen von Einschränkungen in der Spielzeugstadt Sonnenberg während ihrer Kindheit bis zu ihrem Gänsehaut-Erlebnis bei der ersten Point-Alpha-Preisverleihung mit den Staatsmänner Gorbatschow, Bush und Kohl. Jeder Stein auf Point Alpha sei eine Mahnung für die Zukunft: Freiheit sei ein Auftrag der nie endet.
Armin Schwarz unterstrich, dass es Aufgabe sei, den Beteiligten am zivilgesellschaftlichen Kampf für Freiheit, Demokratie und Einheit wieder ein Gesicht zu geben. „Es ist daher entscheidend, dass alle Schüler sich intensiv mit respektvollem Umgang, demokratischen Werten und der Bedeutung unserer Grundrechte auseinandersetzen“, meinte der hessische Minister für Kultus, Bildung und Chancen. Bei hoben zudem das Engagement der Gedenkstätte für die Werte- und Demokratiebildung hervor.

Für die United States Army Europe an Afrika ging Oberst Jon Bradly Fausnaugh noch einmal auf die Bedeutung von Point Alpha und die Aufgaben der US-Army früher und heute ein.
Oberst Jon Bradly Fausnaugh von der United States Army Europe and Africa dachte an die disziplinierten Blackhorse-Soldaten, die Tag und Nacht im Kalten Krieg entlang der innerdeutschen Grenze patrouillierten. Genau dies sei der Zweck von Abschreckung. Nämlich bereit zu sein, geeignet zu sein und den Gegner dazu zu bringen, es sich zweimal zu überlegen, bevor er einen Kampf beginne. Diese grundlegende Voraussetzung für Abschreckung gelte auch heute, erläuterte Fausnaugh – leistungsfähige Verbündete, die bereit sind, gemeinsam mit modernster Technologie zu verteidigen. „Frieden und Freiheit sind kein Erbe, das man einfach antritt, jede Generation muss sie bewahren“, ergänzte der US-Oberst.
Eingeleitet worden war der Festakt mit einer würdevollen Kranzniederlegung unter Mitwirkung der Kyffhäuser- und Reservistenkameradschaft Grüsselbach mit dem Vorsitzenden Alfred Gollbach sowie der Soldatenkameradschaft 1888 Fulda unter Leitung von Jürgen Storch am Denkmal der deutschen Teilung und der Wiedervereinigung. Wolfram Weimer, die Minister Meißner und Schwarz für die Landtage und Staatskanzleien von Thüringen und Hessen, die Parlamentarischen Staatssekretäre Michael Brand und Christian Hirte sowie Landrat Dr. Michael Brodführer für den Wartburgkreis und Landrat Bernd Woide für den Landkreis Fulda gedachten mit Kranzgestecken vor allem der Opfer der SED-Diktatur. Erinnert wurde auch an die oppositionellen Bewegungen und mutigen Menschen, die mit ihren Protesten den Umbruch erst ermöglicht hatten.

Benedikt Stock, Geschäftsführender Vorstand der Point Alpha Stiftung.
Benedikt Stock, Geschäftsführender Vorstand der Point Alpha Stiftung, bedankte sich schließlich bei allen Protagonisten und Unterstützern für eine gelungene Veranstaltung. In kompakten Worten skizzierte er noch einmal die Bedeutung des Festtages, der vor allem auf Point Alpha ein Tag der Freude und der Begegnung sei. „Immer wieder müssen wir uns bewusst machen, welch großes Glück Freiheit, Frieden und Einheit für unser Land bedeuten.“ Für die musikalische Umrahmung sorgte das Blechbläserensemble „Brass 6’tett“ des Heeresmusikkorps Kassel unter der Leitung von Florian Bayer unter anderem mit einem Medley von „Udo Jürgens Live“ oder den Hits „Viva la Vida“ von Coldplay oder „Gabriels Oboe“ von Ennio Morricone. Einen regen Meinungsaustausch zu „36 Jahre Deutsche Einheit“ gab es abschließend beim Empfang in der Point-Alpha-Gastronomie „Blackhorse Inn“.
Unter den Ehrengästen waren:
Bundestag: die Parlamentarischen Staatssekretäre, Bundestagsabgeordneten und Stiftungsratsmitglieder Michael Brand (CDU) und Christian Hirte (CDU).
Landtag Hessen: Dr. Matthias Büger (FDP), Jennifer Gießler (CDU), Thomas Hering (CDU), Stefanie Klee (CDU).
Landtag Thüringen: Martin Henkel (CDU), Ulrike Gross-Röthig (Linke).
Landkreis Fulda: Landrat Bernd Woide (CDU), Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt (CDU).
Wartburgkreis: Landrat Dr. Michael Brodführer (CDU).
Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Erster Kreisbeigeordneter Dirk Noll (SPD).
Außerdem: Michael Ruhl (Staatssekretär Hessen/CDU), Manuela Henkel (Bürgermeisterin Point-Alpha-Stadt Geisa, CDU), Jürgen Hahn (Bürgermeister Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf, CDU), Dana Hauke (Bürgermeisterin Marktgemeinde Eiterfeld, CDU), Johannes Ritz (Bürgermeister Gemeinde Buttlar, CDU), Eric Kirsch (Major a.D. U.S. Army), Sven Fey (Vorsitzender Verband der Reservisten Hessen), Daniel Jestädt (Bundespolizei Hessen), Dr. Christian Gebhardt (Präsident IHK Fulda) sowie Mitglieder des Kuratoriums Deutsche Einheit sowie Mitglieder des Stiftungsrats Point Alpha und des Fördervereins Point Alpha.




