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„Der ewige Krieg“: Experten diskutierten Geschichte, Gegenwart und Zukunft der geteilten koreanischen Halbinsel

Lesezeit: 3 Minuten

Die koreanische Halbinsel ist bis heute geteilt. Ein Friedensvertrag wurde nach dem Koreakrieg nie geschlossen, die Demilitarisierte Zone trennt Nord- und Südkorea weiterhin. Welche historischen, politischen und gesellschaftlichen Folgen dieser Konflikt bis in die Gegenwart hat, stand im Mittelpunkt der internationalen Tagung „Der ewige Krieg. Vom Koreakrieg zur Gegenwartspolitik der geteilten Halbinsel“, zu der die Point Alpha Stiftung in Kooperation mit dem Zukunftsforum für Korea e.V. eingeladen hatte.

Chin Im - Zukunftsforum für Korea e.V. Alle Fotos: Johannes Schneider

Chin Im – Zukunftsforum für Korea e.V. Alle Fotos: Johannes Schneider

Bereits der Veranstaltungsort machte die Parallelen zur deutschen Geschichte sichtbar: An der Gedenkstätte Point Alpha wird die ehemalige innerdeutsche Grenze sichtbar. Im Mittelpunkt der Tagung stand daher auch die Frage, welche Erfahrungen aus der deutschen Teilung und Wiedervereinigung für den Blick auf Korea genutzt werden können und wo die Unterschiede zwischen beiden historischen Situationen liegen.

Zum Auftakt waren mit Prof. Eui-kon Kim von der Inha University und Hyanga An vom Korea Young Leaders Forum zwei koreanische Stimmen live aus Südkorea zugeschaltet. Prof. Kim beleuchtete die Entstehung der koreanischen Teilung, den Koreakrieg und die bis heute schwierigen Perspektiven einer Wiedervereinigung. Hyanga An gab einen Einblick in die innerkoreanische Debatte und zeigte, dass besonders jüngere Südkoreanerinnen und Südkoreaner die Frage der Wiedervereinigung differenzierter und oft skeptischer betrachten als ältere Landsleute.

Dr. Florian Pölking von der Ruhr-Universität Bochum.

Dr. Florian Pölking von der Ruhr-Universität Bochum.

Dr. Florian Pölking von der Ruhr-Universität Bochum widmete sich dem südkoreanischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Er zeigte, wie stark die Erinnerung an den Koreakrieg über Jahrzehnte durch Antikommunismus und das Feindbild Nordkorea geprägt war. Beispielhaft verdeutlichte er dies am Jeju-Massaker von 1948 und am Gwangju-Massaker von 1980. In beiden Fällen seien Proteste und demokratische Bewegungen als kommunistisch beziehungsweise nordkoreanisch beeinflusst diffamiert worden. So habe der Antikommunismus als wirkmächtiges Narrativ dazu gedient, Gewalt gegen die eigene Bevölkerung zu legitimieren. Zugleich machte Pölking deutlich, dass das nationale Erinnern in Südkorea stark auf den Koreakrieg fokussiert sei. Dieser werde vielfach als Erfolgsgeschichte des Kampfes für Freiheit und Demokratie erzählt, während die nach dem Krieg entstandenen Militärdiktaturen kaum Beachtung finden. Die Erinnerung an Opfer der Demokratiebewegung sowie an südkoreanische Massaker und Gewalttaten an Zivilisten sei dagegen eher lokal verankert und stehe weniger im Zentrum der nationalen Erinnerungskultur. Eine Brücke in die Gegenwart schlug Pölking mit Blick auf die Ausrufung des Kriegsrechts durch Yoon Suk-yeol im Dezember 2024. Auch hier seien antikommunistische und sicherheitspolitische Deutungsmuster erneut aktiviert worden, indem unter anderem pro-nordkoreanische und staatsfeindliche Kräfte als Bedrohung angeführt wurden. Für Pölking zeigte sich darin einerseits die fortdauernde Wirkmacht solcher Narrative, andererseits aber auch die Stärke der südkoreanischen Demokratie: Parlament und Zivilgesellschaft reagierten schnell, sodass das Kriegsrecht nach kurzer Zeit wieder aufgehoben wurde.

Auch die Auswirkungen des Koreakrieges auf Deutschland wurden thematisiert. Der Krieg in Ostasien löste Anfang der 1950er-Jahre auch in der jungen Bundesrepublik erhebliche Kriegsängste aus. Zugleich beschleunigte er die Debatte über Westbindung, Wiederbewaffnung und die militärische Einbindung der Bundesrepublik in den Westen.

Tim Keller von der Point Alpha Stiftung.

Zum Abschluss richtete Philipp Metzler den Blick auf das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Es zeigt, wie aus einem einstigen Todesstreifen ein Raum der Erinnerung, der Natur und der Zukunft werden konnte. Auch die koreanische Demilitarisierte Zone ist heute ein ökologisch bedeutsamer Rückzugsraum. Ob sie eines Tages eine ähnliche Entwicklung nehmen kann, hängt jedoch von politischen Voraussetzungen ab, die derzeit kaum absehbar sind.

Die Tagung machte deutlich: Der Koreakrieg ist kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte. Seine Folgen prägen die koreanische Halbinsel bis heute, politisch, gesellschaftlich und erinnerungskulturell. Point Alpha bot dafür einen besonderen Rahmen, weil an der ehemaligen Grenze sichtbar wird, welche Möglichkeiten sich für Mensch und Natur ergeben, wenn die politische Feindschaft endet.