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Ein Fest, das Menschen zusammenführt: 36. Tag der Deutschen Einheit auf Point Alpha

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Der 3. Oktober ist der wichtigste Feiertag in Deutschland, weil er an ein großartiges Ereignis erinnert: die Wiedervereinigung. Es ist ein Tag, um fröhlich zu sein, zu danken und zu beten. Besondere Symbolkraft für dieses Wunder hat Point Alpha. „Was hält die Welt zusammen“ – diese Frage war angesichts der Spannungen, Konflikte und extremen Tendenzen der rote Faden bei einem Ökumenischen Gottesdienst am 36. „Tag der Deutschen Einheit“. Auf die Suche nach einer Antwort begab sich Dr. Nikodemus C. Schnabel OSB in seiner Festpredigt im US Camp der Gedenkstätte. Danach standen im Rahmen eines bunten und vielfältigen Familientages spannende Information, lockere Unterhaltung und gemütliches Beisammensein im Blickpunkt.

Superintendent Christoph Ernst eröffnete den Gottesdienst.

Superintendent Christoph Ernst eröffnete den Gottesdienst.

Seit mehr als 20 Jahren lebt der ehemalige Fuldaer im Heiligen Land. Dort leitet der Benediktiner zwei Klöster, die Dormitio-Abtei auf dem Berg Zion in Jerusalem und das Priorat in Tabgha am See Genezareth. Dort im Konfliktgebiet zwischen Israel und Palästina erlebt er mit eigenen Augen wie die Welt aus den Fugen geraten kann. Aus dieser Position und im Rückblick auf die Konfrontation der Blöcke im Kalten Krieg am Eisernen Vorhang, fragte Schnabel, ob es sich lohne für eine Nation zu leben oder zu sterben? „Nein“, gab er sich die Antwort selber, auch nicht im Auftrag eines Politikers oder Befehlshabers.

Griff zur Gitarre und begleitete den Gesang der Gläubigen: Dechant Markus Günther.

Griff zur Gitarre und begleitete den Gesang der Gläubigen: Dechant Markus Günther.

„Für die Freiheit kann es sich vielleicht lohnen zu sterben“, fügt der Abt radikal an. Aber die Berufung sei eine andere, fuhr der Festprediger fort. Gott sei größer als alle Menschen, nur er und kein anderer habe das letzte Wort über unser Leben. „Der Mensch ist Mensch und nach dem Abbild Gottes geschaffen. Das ist es, was die Welt zusammenhält. Das ist unfassbar kostbar über Konfessionen hinweg. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass auch der Feind bei aller Unterschiedlichkeit wieder zum Mitmenschen werden und auch die Schwachen und Verletzlichen gesehen werden müssten. In seinen Worten schwang der Hinweis auf die Kernmerkmale Nächstenliebe, Güte, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit mit.

Ins Thema eingeführt hatte bei der liturgischen Eröffnung bereits Christoph Ernst. „Ausgrenzung, Abschottung nehmen in der Komplexität des Alltags zu. Viele habe das Gefühl, dass ihnen etwas entgleitet“, stellte der Superintendent des Evang.-Luth. Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach fest. Ernst machte den Zuhörern aber Hoffnung. Er war überzeugt, dass es Glaube, Zuwendung, menschliche Nähe, Gottvertrauen und Zusammenhalt seien, die die Welt nicht auseinanderbrechen ließen.

Die Vielfalt und die Faszination von Landschaft und Natur stellte das UNESCO-Biosphärenreservat an einem Infostand in den Blickpunkt. Fotos: Johannes Schneider

Die Vielfalt und die Faszination von Landschaft und Natur stellte das UNESCO-Biosphärenreservat an einem Infostand in den Blickpunkt. Fotos: Johannes Schneider

Im US Camp öffneten im Anschluss die Buden und Stände. Regionale Spezialitäten sowie Getränke servierte das Team vom Blackhorse Inn. Die musikalische Unterhaltung lag in den Händen der Stadtkapelle Geisa und des Musikvereins Motzlar. Auch die Kinder hatten jede Menge Spaß: Mädchen und Jungen sprangen ausgelassen auf der Hüpfburg und der Circus Ikarus lockte mit weiteren spannenden Spielen. Das Nationale Naturmonument Grünes Band im Biosphärenreservat übt aus der Vogelperspektive eine besondere Faszination aus: Rundflüge mit dem Hubschrauber boten den Passagieren die Möglichkeit, das Ausmaß der Grenze einmal aus der Luft zu erfahren und die landschaftliche Bedeutung des ehemaligen Sperrgebiets als wertvolles Biotop zu verstehen.

Gemütliches Beisammensein auf Point Alpha bei herrlichem Sonnenschein und besten Herbst-Temperaturen.

Gemütliches Beisammensein auf Point Alpha bei herrlichem Sonnenschein und besten Herbst-Temperaturen.

Zum Auftakt hatte der Geschäftsführende Vorstand Benedikt Stock die Besucher in der vollbesetzten Fahrzeughalle begrüßt, darunter Bürgermeister und Stiftungsratsmitglied Jürgen Hahn (Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf), Benjamin Tschesnok (Bürgermeister von Hünfeld, die Thüringer Landtagsabgeordnete Ulrike Jary, Michael Anderson (U.S. Army Wiesbaden) und Raymond Walk (Vorsitzender Förderverein Point Alpha). Stock stellte noch einmal die Bedeutung des authentischen Geschichtsortes für 36 Jahre Deutsche Einheit und die Erinnerung an einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte heraus: „An einem besonderen Ort, wo einst eine nahezu unüberwindbare Grenze Menschen voneinander trennte, können wir in Frieden und Freiheit zusammenkommen.“ Zudem zollte er allen Mitwirkenden, den vielen Helfer, den Unterstützern vom Förderverein Point Alpha und den Sponsoren seinen Dank für deren Unterstützung.

„Es war eine lebendige Feier mit ausgiebigen Gelegenheiten zum Austausch“, zieht Benedikt Stock ein positives Fazit. Tausende Gäste nutzen die Möglichkeit, um die musealen Ausstellungen im Haus auf der Grenze, in den US-Baracken, auf dem „Weg der Hoffnung“ oder an den Grenzsperranlagen zu erkunden. Schließlich begaben sich unter der fachkundigen Leitung der Point-Alpha-Gästebetreuer zahlreiche Gruppen bei Führungen auf eine außergewöhnliche Zeitreise.